Hamburg im 18. Jahrhundert.


Von Fleeten durchzogen

Hamburg war zur Zeit Telemanns weit stärker als heute von Fleeten (Kanälen) durchzogen und wurde darum gern mit Venedig verglichen. Diese Fleete dienten dazu, den Güterverkehr vom Hafen aus unmittelbar an die Kaufmannshäuser heranzuführen, die damals Wohnhaus und Speicher in einem waren. Die Häuser der Stadt waren überwiegend Fachwerkbauten. Nur die „Steinreichen“ konnten sich Häuser aus Stein leisten, und die waren überaus prächtig und aufwendig und befanden sich zumeist im Bereich der Kirchspiele von St. Petri, St. Katharinen und St. Nikolai.

Das Zentrum lag damals weit näher am Hafen als heute. Besonders die begüterten Kaufleute hatten ihre Häuser dort, wo sich heute zwischen Trostbrücke und Elbe eine 6-spurige Schnellstraße und eine größere Anzahl moderner Kontorhäuser befinden. Reste der ehemaligen Bebauung findet man noch in der Deichstraße. Auf dem Areal des heutigen Rathausmarktes stand das Johanneum. So hieß die im ehemaligen Johanniskloster untergebrachte, 1529 gegründete Lateinschule, in der Telemann seinen Dienstsitz hatte.

Das Hamburg, das Telemann 1721 betrat, zählte etwa 75.000 Einwohner. Sieben Jahre zuvor hatte hier die Pest ein letztes Mal gewütet und etwa 10.000 Menschenleben gefordert.